Gleitschleifen
ENTGRATEN, GLÄTTEN, POLIEREN & KANTENVERRUNDEN – AUTOMATISIERT, WIRTSCHAFTLICH UND REPRODUZIERBAR.
Gleitschleifen ist ein bewährtes, trennendes Verfahren zur Oberflächenbearbeitung von Werkstücken unterschiedlichster Geometrien. Dabei werden die Werkstücke zusammen mit geeigneten Schleifkörpern und Verfahrensmitteln in einer Gleitschleifanlage bewegt. Durch die entstehende Relativbewegung lassen sich Grate und scharfe Kanten entfernen, Oberflächen glätten, mattieren oder polieren.
Insbesondere in der Serienfertigung ermöglicht die Gleitschleiftechnik die gleichzeitige Bearbeitung vieler Bauteile. Abgestimmte Parameter im Gleitschleifprozess sorgen für reproduzierbare Ergebnisse und eine hohe Prozesssicherheit. Auch komplexe oder beschädigungsempfindliche Werkstücke können mit einem geeigneten Bearbeitungsprozess schonend behandelt werden.
WAS IST GLEITSCHLEIFEN?
Gleitschleifen – häufig auch Trowalisieren genannt – ist ein mechanisches Bearbeitungsverfahren für Oberflächen und Kanten. Beim Gleitschleifen werden die Werkstücke gemeinsam mit Schleifkörpern, Compound und in der Regel Wasser beziehungsweise einer wässrigen Lösung in einen geeigneten Behälter gegeben.
Durch eine oszillierende oder rotierende Bewegung entsteht eine Relativbewegung zwischen Werkstücken und Schleifkörpern. Dabei wird Material kontrolliert abgetragen. Je nach eingesetzten Schleifmedien und Prozessparametern können Werkstücke entgratet, Kanten verrundet sowie Oberflächen geschliffen, geglättet, gereinigt, mattiert oder poliert werden.
Für unterschiedliche Anforderungen stehen verschiedene Verfahren und Anlagen zum Gleitschleifen zur Verfügung. Dazu gehören unter anderem Vibrationsgleitschleifen, Trommelgleitschleifen, Teller-Fliehkraftspanen und Planeten-Fliehkraftspanen. Je nach Anlagenkonzept kann die Bearbeitung chargenweise oder kontinuierlich erfolgen. Nach dem Gleitschleifprozess werden Werkstücke und Schleifkörper voneinander getrennt. Bei entsprechenden Anlagen kann hierfür beispielsweise eine rotierende Siebtrommel eingesetzt werden. Das geeignete Verfahren richtet sich nach Bauteil, Werkstoff, Geometrie und gewünschtem Bearbeitungsergebnis.
Welche Vorteile bietet Gleitschleifen?
Gleichmäßige und reproduzierbare Oberflächen
Durch abgestimmte Bearbeitungsparameter ermöglicht das Gleitschleifen eine gleichmäßige Oberflächenbearbeitung. Grate können zuverlässig entfernt, Kanten verrundet und Oberflächen geglättet werden. Besonders bei wiederkehrenden Fertigungsprozessen trägt die Reproduzierbarkeit zu einer konstanten Bauteilqualität bei.
Wirtschaftliche Bearbeitung großer Stückzahlen
Beim industriellen Gleitschleifen können mehrere Werkstücke gleichzeitig bearbeitet werden. In Kombination mit automatisierten Prozessabläufen lassen sich Bearbeitungszeiten und manueller Aufwand reduzieren. Das macht das Verfahren besonders für die Serienfertigung interessant.
Schonende Bearbeitung empfindlicher Bauteile
Durch die gezielte Abstimmung von Schleifkörpern und Prozessparametern lassen sich auch empfindliche oder komplex geformte Werkstücke bearbeiten. Die Bearbeitungsintensität wird an die Anforderungen des Bauteils angepasst, um unerwünschte Beschädigungen möglichst zu vermeiden.
Reduzierung manueller Nacharbeit
Gleitschleifen kann zeitaufwendige manuelle Arbeitsschritte wie das Entgraten, Kantenverrunden oder Glätten reduzieren. Besonders bei größeren Stückzahlen lassen sich dadurch Fertigungsprozesse effizienter gestalten und gleichmäßige Ergebnisse erzielen.
Vielseitig für unterschiedliche Werkstoffe und Geometrien
Ob Aluminium, Edelstahl, Stahl oder geeignete Kunststoffe – das Gleitschleifen lässt sich auf zahlreiche Werkstoffe und Bauteilgeometrien abstimmen. Auch komplexe Konturen und schwer zugängliche Bereiche können je nach Werkstück und eingesetzten Schleifkörpern bearbeitet werden.
Wie funktioniert Gleitschleifen?
Beim Gleitschleifen werden Werkstücke gemeinsam mit Schleifkörpern und einer geeigneten Prozessflüssigkeit in einer Gleitschleifanlage bearbeitet. Durch die Bewegung des Bearbeitungsbehälters entsteht eine kontrollierte Relativbewegung zwischen Werkstücken und Schleifkörpern. Dabei werden Grate entfernt, Kanten verrundet und Oberflächen geglättet oder poliert.
Der Gleitschleifprozess lässt sich in fünf wesentliche Schritte unterteilen:
1. Werkstücke und Bearbeitungsziel festlegen
Zu Beginn werden Werkstoff, Bauteilgeometrie und gewünschte Oberflächenqualität bestimmt. Je nachdem, ob die Werkstücke entgratet, geglättet, kantenverrundet oder poliert werden sollen, unterscheiden sich die Anforderungen an den Gleitschleifprozess.
2. Schleifkörper und Verfahrensmittel auswählen
Passend zum Werkstück und Bearbeitungsziel werden geeignete Schleifkörper und Compounds ausgewählt. Form, Größe und Material der Schleifkörper beeinflussen die Bearbeitungsintensität und die Erreichbarkeit unterschiedlicher Werkstückbereiche.
3. Werkstücke gleitschleifen
Während der Bearbeitung bewegen sich Werkstücke und Schleifkörper relativ zueinander. Durch den wiederholten Kontakt entsteht ein kontrollierter Materialabtrag. Abhängig vom Verfahren lassen sich Grate entfernen, scharfe Kanten verrunden und Oberflächen gezielt verändern.
4. Werkstücke und Schleifkörper trennen
Nach Abschluss der Bearbeitung werden die Werkstücke von den Schleifkörpern getrennt. Je nach Anlage und Werkstückgeometrie erfolgt die Separation manuell oder automatisiert. Anschließend können weitere Prozessschritte wie Spülen oder Trocknen erforderlich sein.
5. Bearbeitungsergebnis kontrollieren
Abschließend wird geprüft, ob die gewünschte Oberflächenqualität erreicht wurde. Entscheidend sind beispielsweise der Entgratungsgrad, die Kantenverrundung und die Oberflächenrauheit. Bei Bedarf werden die Prozessparameter für ein reproduzierbares Ergebnis angepasst.
Was kann durch Gleitschleifen entfernt werden?
-
Grate und scharfe Kanten
-
Oxid- und Zunderschichten
-
Rückstände aus Fertigungsprozessen
- Anhaftende Partikel und Verschmutzungen
- Oberflächenunregelmäßigkeiten
- Rost und Korrosionsspuren
Einsatzbereiche der Gleitschleiftechnik
- Entgraten
- Kantenverrunden
- Schleifen
- Glätten
- Polieren
- Mattieren
- Reinigen
- Entfetten
- Metallteile
- Präzisionsteile
- Kunststoffbauteile
- Werkstücke mit komplexer Geometrie
Welche Faktoren beeinflussen das Gleitschleifergebnis?
Werkstoff und Materialeigenschaften
Härte, Festigkeit und Oberflächenbeschaffenheit beeinflussen, wie sich ein Werkstück beim Gleitschleifen bearbeiten lässt. Aluminium, Edelstahl oder Stahl stellen beispielsweise unterschiedliche Anforderungen an den Materialabtrag und die gewünschte Oberflächenqualität.
Bauteilgeometrie
Form, Größe und Empfindlichkeit der Werkstücke entscheiden darüber, welche Bereiche beim Gleitschleifen erreicht werden können. Besonders bei Bohrungen, Hinterschneidungen und komplexen Konturen ist eine sorgfältige Abstimmung des Bearbeitungsprozesses wichtig.
Schleifkörper und Verfahrensmittel
Material, Form und Größe der Schleifkörper beeinflussen die Schleifwirkung und den Materialabtrag. Ergänzend unterstützen geeignete Verfahrensmittel wie Compounds die Reinigung und Oberflächenbearbeitung. Beide müssen auf das Werkstück und das gewünschte Bearbeitungsergebnis abgestimmt sein.
Bearbeitungsdauer
Die Bearbeitungszeit beeinflusst den Materialabtrag, die Kantenverrundung und die Oberflächenrauheit. Eine längere Bearbeitung führt jedoch nicht automatisch zu besseren Ergebnissen. Entscheidend ist die passende Dauer für das jeweilige Bearbeitungsziel.
Prozessparameter
Bewegungsintensität, Füllmenge, Mischungsverhältnis und gegebenenfalls die Dosierung der Prozessflüssigkeit wirken sich auf das Gleitschleifergebnis aus. Durch die gezielte Abstimmung dieser Parameter lassen sich gleichmäßige und wiederholbare Bearbeitungsergebnisse erreichen.
Gleitschleifen im Verfahrensvergleich – welche Oberflächenbearbeitung eignet sich für Ihre Werkstücke?
Das Gleitschleifen ist ein vielseitiges Verfahren zur Oberflächenbearbeitung von Werkstücken. Doch wann ist Gleitschleifen die richtige Wahl und wann bieten Strahlen, Nassstrahlen, Breitbandschleifen, Laserreinigen oder die nass/chemische Teilereinigung Vorteile?
Entscheidend sind der Werkstoff, die Bauteilgeometrie und das gewünschte Bearbeitungsergebnis. Während sich das Gleitschleifen insbesondere zum Entgraten, Kantenverrunden, Glätten und Polieren eignet, stehen bei anderen Verfahren beispielsweise die Reinigung, Entzunderung oder gezielte Oberflächenstrukturierung im Vordergrund.
Unsere Vergleichstabelle zeigt Ihnen, welche Verfahren für unterschiedliche Bearbeitungsziele grundsätzlich infrage kommen. Die tatsächliche Eignung hängt von den individuellen Anforderungen Ihrer Werkstücke ab.
| Bearbeitungsziel | Gleitschleifen | Strahlen | Nassstrahlen | Breitbandschleifen | Laserreinigen | Nass / Chemische Teilereinigung |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Laserteile / Brennschneidteile entgraten bzw. Kanten verrunden | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Drehteile / Frästeile / Gussteile entgraten bzw. Kanten verrunden | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Kunststoffteile entgraten | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Glätten und Polieren | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Entzundern / Entrosten | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Entsanden | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Entlacken | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Oberfläche aufrauen / strukturieren | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Oberfläche mattieren / satinieren | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Oberfläche verfestigen | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Reinigen von Emulsionen / Öl / Fett | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Fein- / Feinstreinigung mit definierten Restschmutzanforderungen | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
| Nachbearbeitung additiv gefertigter Bauteile | ● | ● | ● | ● | ● | ● |
● Sehr gut geeignet
● Bedingt geeignet
● Nicht geeignet
Produktübersicht Gleitschleifanlagen
Rundvibrations –
Gleitschleifanlagen.
Gleitschleif –
Trocknungsanlagen
(in Rundtrockner-, Bandtrockner- oder Zentrifugentrocker – Ausführung)
.
Kombinierte Gleitschleifanlagen / Trocknungsanlagen
(Rundvibrator und Rundtrockner in einem Anlagensystem integriert)
.
Trogvibrations –
Gleitschleifanlagen.
Fliehkraft – Gleitschleifanlagen
(in Einzel- oder Mehrstationenausführung)
.
Fliehkraft –
Gleitschleifanlagen
(in vollautomatischer
2-Chargen – Ausführung)
.
Highspeed / Trommel –
Gleitschleifanlagen
(Vorschleifen, Feinschleifen,
und Polieren in einem Anlagensystem)
.
Tauchschleifanlagen / Schleppschleifanlagen / Schleppfinishanlagen
(Anlagensysteme zum Vorschleifen, Feinschleifen
und Polieren)
Gleitschleifanlagen zum Hochglanzverdichten
(Anlagensysteme zum Vorschleifen, Feinschleifen
und Hochglanzverdichten)
.
Gleitschleifanlagen zum Kugelpolieren
(Anlagensysteme in leistungsstarker und säurefester Ausführung)
.
Gleitschleif – Trockenbearbeitungs
systeme
(u.a. mit integrierter Staubabsaugung)
.
Smartline –
Gleitschleif- u. Poliersysteme
(u.a. mit integrierter Prozesswassertechnik)
Sie interessieren sich für Anlagen zur Oberflächenbearbeitung durch Gleitschleifen?
Ihr Ansprechpartner
Bertram Klee
FAQ
Was versteht man unter Gleitschleifen?
Gleitschleifen ist ein mechanisches Verfahren zur Oberflächenbearbeitung von Werkstücken. Durch die Relativbewegung zwischen Werkstücken und Schleifkörpern werden Grate entfernt, Kanten verrundet und Oberflächen geglättet oder poliert. Je nach Anwendung erfolgt die Bearbeitung mit geeigneten Compounds und Wasser oder im Trockenverfahren.
Für welche Werkstücke eignet sich die Gleitschleifen?
Gleitschleifen ermöglicht die gleichmäßige Bearbeitung komplexer Werkstückgeometrien und eignet sich für das Entgraten, Kantenverrunden, Glätten und Polieren. Im Gegensatz zu vielen punktuellen Bearbeitungsverfahren können mehrere Werkstücke gleichzeitig behandelt werden. Abhängig von Werkstoff und Prozess lassen sich reproduzierbare Oberflächenergebnisse bei kontrolliertem Materialabtrag erzielen.
Welche Vorteile bietet Gleitschleifen gegenüber anderen Verfahren?
Gleitschleifen ermöglicht die gleichmäßige Bearbeitung komplexer Werkstückgeometrien und eignet sich für das Entgraten, Kantenverrunden, Glätten und Polieren. Im Gegensatz zu vielen punktuellen Bearbeitungsverfahren können mehrere Werkstücke gleichzeitig behandelt werden. Abhängig von Werkstoff und Prozess lassen sich reproduzierbare Oberflächenergebnisse bei kontrolliertem Materialabtrag erzielen.
Welche Schleifkörper kommen zum Einsatz?
Je nach Werkstück und gewünschter Oberflächenbeschaffenheit werden unterschiedliche Schleifkörper aus Keramik, Kunststoff oder speziellen Schleifmitteln eingesetzt, um den Abtrag zu optimieren. Form, Größe und Schleifwirkung der Polierkörper beeinflussen den Bearbeitungsprozess und die Qualität. Die Auswahl erfolgt entsprechend der Geometrie und Empfindlichkeit des Werkstücks. Im Prozess bilden Werkstücke und Schleifkörper ein bewegtes Schüttgut, wobei Schleifkörper und Compound gezielt auf die jeweilige Bearbeitungsaufgabe abgestimmt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Gleitschleifen und Trowalisieren?
Die beiden Begriffe werden häufig synonym verwendet. Beide beschreiben die Oberflächenbearbeitung durch oszillierende oder rotierende Bewegung von Werkstücken und Schleifmitteln in einer Gleitschleifanlage oder Trommel.
Welche Oberflächenqualität lässt sich durch Gleitschleifen erreichen?
Mit dem Gleitschleifen lassen sich Oberflächen gezielt entgraten, glätten, mattieren oder polieren. Die erreichbare Oberflächenqualität hängt unter anderem vom Werkstoff, der Ausgangsrauheit, den eingesetzten Schleifkörpern und den Prozessparametern ab. Durch eine abgestimmte Bearbeitung können gleichmäßige und reproduzierbare Ergebnisse erzielt werden.
Wie funktioniert Gleitschleifen?
Beim Gleitschleifen entstehen oszillierende oder rotierende Bewegungen innerhalb des Behälters. Durch diese Vibration oder Rotation entsteht Reibung zwischen Werkstücken, Schleifmedien und Compound, wodurch die Außenflächen bearbeitet werden.
Ist Gleitschleifen für die Serienfertigung wirtschaftlich?
Ja, Gleitschleifen kann besonders bei wiederkehrenden Bearbeitungsaufgaben und größeren Stückzahlen wirtschaftlich sein. Mehrere Werkstücke lassen sich gleichzeitig bearbeiten, wodurch sich der manuelle Aufwand reduzieren lässt. Die Wirtschaftlichkeit hängt unter anderem von der Bauteilgeometrie, der Bearbeitungsdauer, dem Automatisierungsgrad und den Anforderungen an die Oberfläche ab.
Wie lange dauert ein Gleitschleifprozess?
Die Bearbeitungsdauer beim Gleitschleifen hängt vom Werkstoff, der Bauteilgeometrie, dem gewünschten Oberflächenergebnis und den eingesetzten Schleifkörpern ab. Je nach Anwendung kann der Prozess wenige Minuten bis mehrere Stunden dauern. Durch eine gezielte Abstimmung der Prozessparameter lässt sich die Bearbeitungszeit an die jeweiligen Anforderungen anpassen.
